Fliegen in Heidelberg seit 1923

wie alles begann


Die Anfänge des Heidelberger Segelflugs reichen zurück bis in das Jahr 1923. Flugbegeisterte Studenten und Lehrlinge bauten damals mit einfachsten Mitteln mehrere, für die die damalige Zeit hochmoderne Gleitflugzeuge. Geflogen wurde am Neckarvorland und am heutigen Hauptbahnhof. Am 18. Dezember 1949 gründeten 108 Personen die Interessengemeinschaft Heidelberger Segelflieger und Modellbauer. Im März 1950 wurde die Interessens-gemeinschaft in AERO-CLUB HEIDELBERG e.V. umbenannt. Der Verein besteht heute aus einer Segel- und einer Motorfluggruppe.

Die Erneuerung des Flugzeugparks der Segelflieger mit ersten Kunststoffflugzeugen, wie ASW 15 und LS4 brachten eine zügige Weiterentwicklung der flugsportlichen Aktivitäten. Zusätzlich wurde 1971 der erste Motorsegler SF 25 B angeschafft. 1984 wurde die Dimona auf dem US-Airfield in Heidelberg auf den offiziellen Namen „D-KACH“ getauft. Auch Anfang der 50er Jahre , nach der Gründung des heutigen AERO-CLUB Heidelberg wurden die ersten Flugzeuge von Mitgliedern selbst gebaut. Der Flugbetreib wurde in Hemsbach aufgenommen. Da in Heidelberg die zivile Fliegerei wegen des Militärflugplatzes nicht möglich war. Nachdem der Flugplatz der A5 weichen mußte fanden die Heidelberger eine neue Bleibe auf dem Flugplatz Malsch.

Das Fliegen ist heute noch genauso großartig wie in den Gründerjahren. Die Flugzeuge sind sehr viel leistungsfähiger und anspruchsvoller geworden, gleichzeitig aber auch einfacher zu fliegen und viel sicherer. Unser neuer Doppelsitzer hat eine Spannweite von 20 Metern, erreicht 270 Stundenkilometer und verfügt wie alle unsere Leistungsflugzeuge über moderne Bordrechner und GPS.

 

Anfänge des Segelfliegens

"Es wird schwer sein, demjenigen, welcher derartige Gleitflüge nie versucht hat, eine richtige Vorstellung von den Reizen einer solchen schwungvollen Bewegung zu verschaffen. Die Tiefe, über welche man dahinschwebt, verliert ihre Schrecken, wenn man aus Erfahrung weiß, wie sicher man sich auf die Tragfähigkeit der Luft verlassen kann. Wenn man, auf breiten Fittichen ruhend, von nichts als der Luft berührt... mit einem gut erprobten Apparat dahingleitet, der dem leisesten Druck gehorchend sich unserem Willen fügt, so läßt das Gefühl der Sicherheit die Gefahr bald vergessen... wie es überhaupt ein unbeschreibliches Vergnügen ist, hoch in den Lüften sich über sonnigen Berghängen zu wiegen, ohne Stoß, ohne Geräusche, nur von einer leisen Aeolsharfenmusik begleitet, welche der Luftzug den Spanndrähten des Apparates entlockt."
(Otto Lilienthal)


Der Begriff "Segelflug" wurde das erste Mal von Otto Lilienthal (1848-1896) benutzt. In seinen über zweitausend Gleitflügen hat er als Erster systematisch Untersuchungen über das Fliegen angestellt, von denen später viele andere Flugpioniere profitiert haben. Seine Hängegleiter bestanden aus mit Wachstuch bespanntem Weidenholz und wurden allein durch Gewichtsverlagerung gesteuert. Auch die Gebrüder Wright griffen bei ihren Flugversuchen auf seine Ergebnisse zurück, wobei Ihnen eine entscheidende Verbesserung gelang. Durch die Verwindung der Außenflächen und durch eine drehbare vertikale Kielflosse - das Seitenruder war erfunden - erreichten sie eine bessere Steuerbarkeit ihrer Gleitapparate. Allerdings strebten sie, im Gegensatz zu Lilienthal, den Flug mit Motorkraft an, was sie 1903 auch verwirklichen konnten.

Die erste Flugvorführung der Gebrüder Wright in Europa weckte auch in Deutschland wieder die Begeisterung für das Fliegen, welche nach dem Tode Lilienthals weitgehend erloschen war. In Frankfurt wurde spontan eine Flugtechnische Vereinigung gegründet, und wenige Monate später, im Oktober 1909, fand dort die erste Internationale Luftfahrtaustellung (ILA) statt. Diese wiederum begeisterte einige Schüler aus Darmstadt derart, daß sie noch im selben Jahr eine eigene Flug-Sport-Vereinigung (FSV) gründeten und mit selbstgebauten Hängegleitern Gleitflüge durchführten. Zwei Jahre später entdeckten sie die Wasserkuppe auf der Röhn, als das ideale Gleitfluggelände in Deutschland und stellten dort 1912 einen ersten inoffiziellen Streckenweltrekord im motorlosen Flug auf. Dieser Flug dauerte 1 Minute und 50 Sekunden und wurde mit eine Länge von 840 Metern vermessen.

Nach dem Krieg verboten die Versailler Verträge den Betrieb und den Bau von Motorflugzeugen in Deutschland, was mit dazu führte, daß in den folgenden Jahren immer mehr Gleitflüge auf der Wasserkuppe durchgeführt wurden. Ab 1920 fanden dort jährlich die Rhönwettbewerbe statt, und die "Hängegleiter" entwickelten sich weiter zu "Segelflugzeugen".

An vielen deutschen Hochschulen wurde inzwischen auf diesem Gebiet gearbeitet, und zahlreiche Verbesserungen, wie zum Beispiel die freitragende Flächenbauweise mit einem Holm und Torsionsnase aus Sperrholz setzten sich durch. Schon 1922 gelangen die ersten Stundenflüge im Hangaufwind der Wasserkuppe. Allerdings gab es zu dieser Zeit noch keine Möglichkeit, sich, fern ab von Berghängen, antriebslos in der Luft zu halten und größere Strecken, auch über einer Ebene, zurückzulegen. Die Zukunft des Segelfliegens sah man deswegen im dynamischen Segelflug, wofür allerdings die Stabilität und die Wendigkeit der damaligen Flugzeuge bei weitem nicht ausreichte. Man war sich noch nicht einmal sicher, ob es theoretisch überhaupt möglich sein würde, sich auf diese Art und Weise in der Luft zu halten.
Auch thermische Aufwinde waren damals noch nicht bekannt, und einige Vermutungen über sogenannte Aufwindkamine wurden damit abgetan, daß es nicht möglich sein würde, diese Kamine sicher anzufliegen und sich darin in engen Kurven hochzuziehen. Als dann 1924 das Sportfliegen mit leichten Motorflugzeugen wieder zugelassen wurde, schien das Ende des Segelfluges gekommen zu sein.


Erst als 1926 Max Kegel mit einem Flug in ein Gewitter unfreiwillig den Beweis erbrachte, daß es thermische Aufwinde gibt, und als es zwei Jahre später Robert Kronfeld gelang, in einem Aufwindkamin hochzukreisen - er benutzte zum ersten Mal ein Variometer -, war auch das Problem des Streckensegelfluges gelöst. In den nachfolgenden Jahren wurden die Segelflugzeuge kontinuierlich weiterentwickelt, und die Flugleistungen nahmen immer weiter zu. Der "schwarze Teufel", mit dem die Akaflieg Aachen 1920 den ersten Rhönwettbewerb gewann und eine Flugstrecke von 1830 Metern zurücklegte, hatte eine Gleitzahl von sieben. Fast 20 Jahre später, 1939, gab es schon den D-30 Cirrus der FFG Darmstadt mit einer Gleitzahl von 36, und die längste geflogene Strecke lag bei über 500 km. Auch die Startmethode hat sich vom Gummiseilstart über den Autoschlepp zum Windenstart weiterentwickelt. Parallel dazu wurde 1927 der erste Flugzeugschlepp durchgeführt.

Quelle: http://segelflug.jimdo.com/